[DHd-blog] Arbeitsgespräch zur Gründung eines DFG-Netzwerks „Digital Economic History – Data and Methods (c.1300-c.1800)“

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Zur Förderung der Verknüpfung vormoderner Wirtschaftsgeschichte mit den Digital Humanities strebt der internationale Arbeitskreis „Vormoderne Wirtschaftsdaten“ mit Sitz an der Universität Mannheim die Gründung eines DFG-Netzwerks unter dem Arbeitstitel „Digital Economic History – Data and Methods (c.1300-c.1800)“ an. Zu diesem Zweck soll am 14.09.2021 ein erstes Arbeitsgespräch Forscher:innen aus beiden Disziplinen ins Gespräch bringen.

Wirtschaftshistorische Forschung verbindet in besonderem Maß qualitative mit quantitativen Methoden der Quellenauswertung und legt großes Gewicht auf entsprechende empirische Auswertungsmöglichkeiten. Die Erhebung und Analyse umfangreicher Datensätze erfolgt schwerpunktmäßig in der neuzeitlichen Geschichte, für die durch staatliche Statistiken bereits systematisch zusammengestellte und vergleichbare Datensätze zur Verfügung stehen. Im Bereich der vormodernen Wirtschaftsgeschichte gestaltet sich die Quellenlage erheblich komplizierter und lückenhafter: Auch hier sind entsprechende Daten zwar durchaus in größeren Mengen vorhanden, aber verstreut und uneinheitlich überliefert. Diese Umstände haben weiterhin zur Folge, dass die bislang edierten Datensätze methodisch und formal verschiedentlich erhoben und dezentral publiziert worden sind. Eine überzeugende Einordnung und Auswertung vormoderner Wirtschaftsdaten erfordern daher ein hohes Maß an quellenkundlichem Spezialwissen – ohne die Zusatzinformationen, die den Daten selbst und ihrer Erhebung zugrunde liegen (Kontexte, Aggregationsebenen etc.), zu berücksichtigen, führt ihre Verwendung zwangsläufig zu fehlerhaften Interpretationen.

Die Digitalisierung bietet der vormodernen Wirtschaftsgeschichte Möglichkeiten, Daten aus ihren Quellen in ganz neuem Umfang zu erheben, zu sammeln und auszuwerten. Großprojekte mit einem Fokus auf die Moderne wie The Maddison Project oder The Global Price and Income History Group verdeutlichen das große Potential. Für die Vormoderne bildet sich u. E. aber ein systematisches Problem ab: Zahlreiche Textquellen der Vormoderne, die sowohl quantitative Daten als auch die notwendigen Kontextinformationen enthalten, sind längst ediert – in den letzten Jahren zunehmend auch in digitalen Formaten. Hierbei werden bislang aber vorrangig qualitative Einzelinformationen systematisch ausgezeichnet und damit vergleich- und verknüpfbar gemacht. Quantitativen Daten dagegen wird bei der Edition seit dem cultural turn der 1980er Jahre nur noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Vereinfachend ließe sich sagen: Quantitative und qualitative Daten müssen zusammen betrachtet werden, sind zum Teil sogar schon im benötigten Zusammenhang überliefert, werden aber getrennt erfasst und publiziert. Hier können Methoden der Digital Humanities als einer Disziplin, die auf die Arbeit mit umfangreichen, hochkomplexen Datensätzen fokussiert ist, weiterhelfen, doch müssen dazu methodische und inhaltliche Kenntnisse beider Disziplinen berücksichtigt werden. Zu diesem Zweck soll ein DFG-Netzwerk Digital Economic History beantragt werden, um einen regelmäßigen und strukturierten Austausch über Methoden, Probleme und best practices zu ermöglichen. Anhand von konkreten Fallstudien wollen wir neue gemeinsame Lösungswege erarbeiten und der breiten Forschung zugänglich machen. Daneben stehen auch Fragen der visuellen Aufbereitung, Modellierung, Nachnutzbarkeit und Nachhaltigkeit der Datensätze im Zentrum. Langfristiges Ziel ist daher die Erstellung eines digitalen Handbuches, welches den Transfer in Studium, Lehre und Forschung ermöglicht.

Das initiale Arbeitsgespräch soll dazu dienen, Interessierte an einem solchen Netzwerk zusammenzubringen und sich über die konkrete personelle und inhaltliche Gestaltung des Netzwerks sowie des Handbuches abzustimmen. Insbesondere sollen interdisziplinäre Projektteams zur Erstellung von Fallstudien gebildet werden, die die Datenerhebung, -bearbeitung und -interpretation aus der vormodernen Wirtschaftsgeschichte mit innovativen Methoden der Digital Humanities verbinden und die konkreten Arbeitsschritte sichtbar machen.

Wir freuen uns daher über Anmeldungen von Forschenden, die ihre eigenen Ideen und Ansätze einbringen oder bereits bestehende Vorarbeiten aus dem Bereich der vormodernen Wirtschaftsgeschichte oder der Digital Humanities präsentieren möchten, die Überschneidungspotentiale mit dem jeweils anderen Fachbereich aufweisen. Hierzu bitten wir um eine kurze Darstellung der Motivation bzw. Vorarbeiten (ca. 0,5 S.) und einen kurzen Lebenslauf (max. 1 S.).

Max-Quentin Bischoff (University of Antwerp)
Viktor Boecking (Universität Mannheim)
Hiram Kümper (Universität Mannheim)
Christopher Pollin (Universität Graz)
Lena Liznerski (Universität Mannheim)
Stephan Nicolussi-Köhler (Universität Innsbruck)
Jan Siegemund (TU Dresden)

Anmeldefrist: 15.08.2021

Kontakt: stephan.nicolussi-koehler@uibk.ac.at

Ort: online