[DHd-blog] Über den Sinn und Unsinn von Konferenzen – Ein DHd2019-Bericht

[德语国家数字人文协会DHd-blog网站消息]

Seit ich mit meiner Dissertation begonnen habe, konnte ichschon häufiger mein Thema bzw. einen Aspekt daraus bei einer Tagung vorstellen.Eigentlich lief das ganze immer gleich ab: Ich erzählte Aspekte meinesDissertationsthemas und es gab hinterher entweder überhaupt keine Wortmeldungendazu oder solche, die mich nicht wirklich im Nachdenken über mein Thema weiterbrachten.Ich hatte es schon fast aufgegeben, auf hilfreiches Feedback nach einerPräsentation zu hoffen.

Vom Sinn und Zweck von Konferenzen

Da stellt sich (nicht nur) mir die Frage, wozu sind Tagungen, Konferenzen und Workshops eigentlich da? Auch während der diesjährigen DHd-Konferenz wurde viel auf Twitter darüber diskutiert, welche Art von Vorträgen denn gewünscht seien. Viel zu wenig kritische Fragestellungen oder überhaupt Forschungsfragen würden präsentiert, eigentlich gehe es nur um Projekt- und Toolvorstellungen.

Und auch wenn ich zurückblicke auf die Vorträge, die ichbesucht habe, und deren Output für mich, stelle ich fest, dass es vor allem diejenigensind, die über eine Projektpräsentation hinaus gehen, die mich nachhaltigbeschäftigen. Vielleicht liegt dies aber auch ein wenig daran, dass ich keinenVortrag im Programm gefunden habe, der sich mit den Fragestellungenbeschäftigt, die mich tagtäglich begleiten. Denn es ist eben keineLinguistik-Tagung, sondern eine DH-Tagung. Und man merkt nach meinem Empfindenrecht deutlich, dass ein Schwerpunkt der DH auf digitalen Editionen liegt; waskeinesfalls uninteressant ist, aber man muss sich irgendwann entscheiden, wofürnoch Platz im eigenen Hirn ist und welchen Platz man für seine eigene Forschungund Arbeit reservieren muss.

Bis zur Konferenz und noch viel weiter

Doch außer in den Sektionen auf der DHd wird auch aufTwitter über die Themen diskutiert, wie auf keiner anderen Konferenz in meinemBereich. Ich finde es jedes Jahr aufs Neue erstaunlich, welche Diskussionenhier geführt werden und mit wem man nicht alles ins Gespräch kommt (wasdurchaus auch Auswirkungen ins reale Leben hat). Besonders beschäftigen werdenmich wohl auch nach der Konferenz noch (oder gerade da) die Fragen:

Welchen Stellenwert Blogposts (und -kommentare) in unseren Literaturlisten im CV haben (sollten)? Der Aspekt kam im Vortrag von Mareike König über die hypotheses-Umfrage auf. Siehe hierzu: https://twitter.com/msiemund/status/1111545454548914176Welche Rolle ein DH-Mitarbeiter/Koordinator (u.a. im Projekt, im Verhältnis mit anderen Disziplinen) hat? Und viele weitere Fragen, die sich im Panel #DHFromScratch entwickelt haben. Siehe dazu: https://twitter.com/search?q=%23DHfromScratch

Eine Woche nach der Konferenz hat mich allerdings derArbeitsalltag voll geschluckt und ich konnte noch nicht genauer darüber nachdenken.Also zumindest nicht allein. Für zweite Frage hat sich ein ziemlichumfangreicher Twitter-Thread entwickelt, an dem ich teilweise ein bisschenmitwirken konnte. Vielleicht ergibt sich daraus sogar ein eigener Workshop oderein AG-Kickoff o.ä., da wäre dann auch noch mal Zeit zum Nachdenken gegeben.Ich denke mir gerade während ich diesen Blogpost schreibe, dass man eigentlichnach guten Konferenzen noch ein paar Tage „frei“ haben müsste, in denen man dieganzen Eindrücke und Ideen nach-denken und verarbeiten kann.

Nachwirkungen der DHd

Zeit zum Nach-denken braucht es definitiv auch für dieReaktionen auf meinen eigenen Vortrag. Denn endlich einmal habe ich einewirklich hilfreiche und inspirierende Rückmeldung erhalten. Diese war zwarkritisch, aber vielleicht ist es genau das, was ich benötige: kritischeRückmeldungen, die mich dazu anregen, über Aspekte nachzudenken und sie zuhinterfragen, die ich sonst für gesetzt gesehen hätte, Erfahrungen von anderenbekommen, die an ganz ähnlichen Stellen bereits standen. Dafür sind schließlichKonferenzen da, oder? Nicht ein „Ich-zeig-Euch-wie-toll-ich-bin“, sondern ein „Helft-mir-wo-Ihr-schon-weiter-gedacht-habt-als-ich“.

Ich bedanke mich nocheinmal herzlich dafür, dass mir diese Erfahrung finanziell durch ein Reisestipendiumunterstützt wurde!