[DHd-blog] „Autorschaft und wissenschaftliche Reputation in den Digital Humanities“: Paneldiskussion im Rahmen der DARIAH-DE Grand Tour 2018

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Viele Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wie auch bereits Studierende höherer Semester – so wie ich selbst als Masterstudierender – sind zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere oft verunsichert, was nachweislich einen Beitrag zur eigenen wissenschaftlichen Reputation leistet – und was nicht.

Fachbereiche entwickeln sich inhaltlich und methodisch weiter und auch neue, interdisziplinäre Forschungsfelder etablieren sich zunehmend. Doch die akademischen Strukturen, die eine Anerkennung individueller Leistungen und Arbeiten gewährleistet, berücksichtigen dies nur langsam.

Insbesondere Forschende in den Digital Humanities stehen vor der Frage, wie der eigene Nachwuchs in der Scientific Community reüssieren kann und wie darauf ausgerichtete akademische Strukturen ausgestaltet und geschaffen werden können.

Eine hohe Anzahl an Publikationen in einschlägigen Fachzeitschriften – und hierbei insbesondere die Reihenfolge der genannten Autorinnen und Autoren – gilt noch immer als ein Beleg für wissenschaftliche Reputation („Bitte legen Sie Ihrer Bewerbung eine aktuelle Liste Ihrer Publikationen bei.“). Das Verständnis von wissenschaftlicher Reputation scheint weiterhin eng an die Reputation der Verlage geknüpft. Während viele Studierende und auch Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler noch den „klassischen“ Forschenden – alleine im „stillen Kämmerlein“ vor einer Abhandlung sitzend oder am eigenen Œuvre arbeitend – vor Augen haben, gestaltet sich die Realität bereits heterogener.

Von Individual- zu Verbundprojekten mit kollaborativen Daten

Der große Methodenpool der Digital Humanities generiert unerschöpflich Forschungsfragen, die sich auf große, kollaborativ gewonnene und genutzte Datenmengen oder Forschungsdaten anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beziehen. Somit sind auch die Forschungsergebnisse das Resultat einer solchen Kooperation. Darüber hinaus hat dies Auswirkungen auf das Verständnis von Autorschaft: Wer kann als Autor oder Autorin einer Veröffentlichung gelten? Per Definition sind dies die Verfassenden eines „sprachlichen Werkes“. Unberücksichtigt bleiben hierbei allerdings weitere Mitwirkende, ohne die viele Projekte und Veröffentlichungen nicht hätten realisiert werden können. Vor allem in den Digital Humanities rücken hier Software-Entwicklerinnen und -Entwickler in den Vordergrund.

Es scheint, als könne das heutige Verständnis der aktuellen Entwicklung nur mühsam folgen – es wird der sich weiterentwickelnden Forschung und somit allen daran Beteiligten nur bedingt gerecht. Die Frage, welche Formen der Veröffentlichungen der wissenschaftlichen Reputation dienen, muss neu beantwortet werden – ebenso welche Rolle die noch immer mit Vorbehalten belasteten open access-Veröffentlichungen oder wissenschaftliche Blogs spielen.

Gerade für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Studierende ist die fortwährende Diskussion dieser Themen von Bedeutung: Ob bei der DHd 2018 in Köln, beim im Herbst stattfindenden Historikertag 2018 in Münster oder ganz prominent im Rahmen der DARIAH-DE Grand Tour 2018 im September.

Panel zu „Autorschaft und wissenschaftliche Reputation“ im Rahmen der DARIAH-DE Grand Tour 2018

Unter Moderation von Andrea Rapp, Vizepräsidenten für wissenschaftliche Infrastruktur der Technischen Universität Darmstadt und Professorin für germanistische Computerphilologie, werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dieser Thematik diskutieren.

Die Paneldiskussion zu „Autorschaft und wissenschaftliche Reputation“ findet am 21. September statt.

Die Panelteilnehmerinnen und -teilnehmer im Überblick

Moderation

Prof. Dr. Andrea Rapp, Vizepräsidentin für wissenschaftliche Infrastruktur der TU Darmstadt, Professorin für germanistische Computerphilologie

Diskutierende

Prof. Dr. Eva-Maria Engelen, Universität Konstanz, Projekt- und Arbeitsstellenleiterin der Kurt-Gödel-Forschungsstelle, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Jun. Prof. Dr. Mark Hall, Juniorprofessor für eHumanities an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Dr. Christoph Kümmel, Programmdirektor für Geistes- und Kulturwissenschaften der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Prof. Dr. Christof Schöch, Professor für Digital Humanities an der Universität Trier, Vorsitzender des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd)

(Julian Jelinsky studiert Germanistik und Politikwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen)