[DHd-blog] Memorandum: Digitalisierung von Kulturgut

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Trotz beträchtlicher Fortschritte liegt nach wie vor nur ein Bruchteil des in Deutschland verwahrten Kulturgutes in digitaler Form vor, so dass ein offener, medienadäquater und nachnutzbarer Zugang für große Teile nicht gegeben ist. Die Digitalisierung als ein Prozess der Transformation und damit Sicherung des Kulturgutes bleibt daher auf absehbare Zeit eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe all jener Einrichtungen, die kulturelles Erbe bewahren und bearbeiten: Bibliotheken, Archive, Museen, Forschungsinstitute, aber auch wissenschaftliche Sammlungen an Universitäten und Fachhochschulen. Allerdings reichen die bisherigen Bemühungen, so beispielsweise durch das Digitalisierungsprogramm der DFG und vereinzelte Aktivitäten auf Ebene der Bundesländer, nicht aus. Sie müssen nicht nur fortgesetzt, sondern intensiviert, ausgebaut und besser vernetzt werden. Nur mit der systematischen und umfassenden Umwandlung des kulturellen Erbes ist gewährleistet, dass der Forschungsstandort Deutschland gesichert bleibt und eine in Zukunft verstärkt digital arbeitende geistes- und kulturwissenschaftliche Forschung die Datengrundlage erhält, die für ihre Fragestellungen und Analysen unverzichtbar ist. Auch für die europäische und internationale Anschlussfähigkeit zukunftsweisender und innovativer Forschungs- und Transfervorhaben sind Digitalisate eine Voraussetzung. Zugleich wird nur durch eine systematische Digitalisierung aller Kulturgüter des Landes auch in Zukunft demokratische Teilhabe und freier Zugang zu ihnen möglich sein – als unverzichtbare Grundlage von Bildung, Wissenserwerb und letztlich Stiftung kultureller Identität.

Das Gremium Wissenschaftliche Sammlungen, das 2014 im Rahmen von DARIAH-DE initiiert wurde, hat eine erste Evaluation durchgeführt: Stand der Kulturgutdigitalisierung in Deutschland. Eine Analyse und Handlungsvorschläge des DARIAH-DE Stakeholdergremiums ‚Wissenschaftliche Sammlungen‘. Darin kommt es zu dem Schluss, dass die Daten erzeugenden Digitalisierungsanstrengungen von Kulturgütern einerseits mit den sich laufend weiterentwickelnden digitalen Methoden und Techniken der Wissenschaft, andererseits mit den Erwartungen der Bevölkerung an den Zugang zu ihren Kulturgütern nicht Schritt halten und beträchtliche Anstrengungen vonnöten sind, um die Situation zu verbessern:

Neben einer besseren Koordinierung von Digitalisierungsprogrammen auf Bundes- und Länderebene müssen vor allem die finanziellen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass die Kulturgutbestände auf Basis wissenschaftlicher, archivarischer, bibliothekarischer und musealer Standards erschlossen und digitalisiert werden können, um sie in maschinenlesbarer und dauerhaft referenzierbarer Form unter offenen Lizenzen der Wissenschaft und interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung zu stellen.

Die Unterzeichnenden erklären sich bereit, die für die Umsetzung notwendigen Schritte mit zu prägen und zu gestalten. Wir bitten die Wissenschaftspolitik um Unterstützung in diesem Prozess, um insbesondere durch Koordinierung und Finanzierung folgende Maßnahmen zu ermöglichen:

Etablierung eines Verständnisses von Digitalisierungsaktivitäten als Langzeitaufgabe und Teil der Erschließungsaktivitäten von GedächtniseinrichtungenKoordination und dauerhafte Evaluation der Digitalisierungsaktivitäten und dies sowohl einrichtungs- als auch medienübergreifend durch ein interdisziplinär ausgerichtetes nationales Monitoringboard sowie Erarbeitung einer geeigneten Metrik für solide KennzahlenErweiterung der DFG-Praxisempfehlungen zur Digitalisierung und Einbeziehung weiterer Medienformate und vor allem neuer Erschließungstiefen (z.B. Digitalisate – Volltexte – Annotationen und Normansetzungen)Etablierung langfristiger Finanzierungen für Kulturgutdigitalisierung und Langzeitarchivierung – so beispielsweise in Höhe von 5 % von den entsprechenden Budgets als feste Kenngröße durch die Zuweisung von jährlichen SondermittelnIntensivierung der Ausschreibungen und Drittmittelförderung für KulturgutdigitalisierungAnstöße zur Entwicklung von Best-Practices und verbindlichen Empfehlungen für maschinenlesbare und offene SchnittstellenErmöglichung von informationswissenschaftlicher Forschung zur Nutzung von digitalen Beständen durch Initiierung geeigneter AusschreibungenBekenntnis zu Open Access und Open Data sowie ggf. Novellierung der rechtlichen Rahmenbedingungen

Wenn Sie dieses Memorandum unterstützen möchten, senden Sie eine Mail mit Institution / Verband und Name oder Name und Affiliation an: klaffki@hab.de

Liste der Unterzeichnenden:

Institutionen / Verbände / Projekte:

Arbeitskreis Stadtarchive beim Bayerischen Städtetag, Michael StephanArchiv für die Musik Afrikas, Institut für Ethnologie und Afrikastudien, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Hauke DorschArchivschule Marburg – Hochschule für Archivwissenschaft, Irmgard Christa BeckerBundeskonferenz der kirchlichen Archive in Deutschland, Christoph SchmiderCLARIN-D, Erhard Hinrichs und Alexander GeykenDAASI International GmbH, Peter GietzDARIAH-DE, Coordination Office, Mirjam Blümm und Regine SteinDeutsche Digitale Bibliothek, Frank Frischmuth und Uwe MüllerDeutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Diane Scherzler und Frank SiegmundDeutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, Christian BrachtDeutsches Literaturarchiv Marbach, Roland S. KamzelakDigitales Deutsches Frauenarchiv, Sabine Balke EstremadoyroDigital Humanities im deutschsprachigen Raum, Christof Schöchdocumenta archiv Kassel, Birgit Jooss
Erzbischöfliches Archiv Freiburg, Christoph SchmiderForschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt, Kathrin PaaschForschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel, Sonja AsalGermania Judaica, Kölner Bibliothek zur Geschichte des Judentums, Ursula ReuterGesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen, Ramin YahyapourGottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek Hannover, Anne MayGöttingen eResearch Alliance, Jan Brase und Philipp WiederHerder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Marburg, Peter HaslingerHerzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Peter BurschelHessisches Landesarchiv, Andreas HedwigHumanities Data Centre, Sven Bingert und Daniel KurzaweInstitut für die Geschichte der deutschen Juden Hamburg, Miriam Rürup„Kitodo. Key to digital objects“ e. V., Robert StrötgenLandesarchiv Baden-Württemberg, Gerald MaierLeibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz, Joachim BergerMarchivum, Mannheims Archiv, Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung, Ulrich NießMuseum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Sabine SchulzeNiedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Wolfram HorstmannOpen Knowledge Foundation Deutschland, Andreas Pawelkeprometheus – das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung & Lehre, Universität zu Köln, Lisa DieckmannREAD-Projekt / Transkribus, Günter MühlbergerSalomon L. Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen, Michael BrockeStaats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Petra Blödorn-MeyerStadtarchiv Karlsruhe, Ernst Otto BräuncheTechnische Universität Darmstadt, Fachgebiet Germanistik – Computerphilologie und Mediävistik, Andrea RappTechnische Universität Darmstadt, Vizepräsidentin für wissenschaftliche Infrastruktur, Andrea RappUniversitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, Andreas Degkwitz
Universitätsbibliothek Kiel, Kerstin HelmkampUniversitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Thomas StäckerVerband Deutscher Kunsthistoriker e.V., Kilian Heck

Einzelunterzeichnende:

Laila Abu-Er-Rub, ICAS:MP, Maria Sibylla Merian Centre New DelhiAnna Aschauer, Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), MainzBettina Bauer, Herzog August Bibliothek WolfenbüttelMarcus Baumgarten, Herzog August Bibliothek WolfenbüttelStefan Buddenbohm, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek GöttingenJennifer Bunselmeier, University of OxfordKai-Christian Bruhn, Hochschule Mainz University of Applied SciencesHendrikje Carius, Forschungsbibliothek Gotha der Universität ErfurtFabian Cremer, Max Weber StiftungJens Crueger, Fachgruppe Langzeitarchivierung + Emulation, Gesellschaft für Informatik (GI) / Digital-Historiker.deMichael Dahnke, Universitätsbibliothek WürzburgAline Deicke, Akademie der Wissenschaften und der Literatur | MainzFranziska Diehr, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek GöttingenSwantje Dogunke, Forschungsverbund Marbach Weimar WolfenbüttelChantal Eschenfelder, Städel Museum Frankfurt
Daniel Fähle, Landesarchiv Baden-WürttembergRalf Forster, Filmmuseum Potsdam, Institut der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLFStefan E. Funk, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, DARIAH-DEGudrun Gersmann, Universität zu Köln, Historisches InstitutMathias Göbel, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek GöttingenGünther Görz, AG Digital Humanities, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-NürnbergTill Grallert, Orient-Institut BeirutSven Gronemeyer, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität BonnMartin Haase, DAASI InternationalMatthias Harbeck, Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu BerlinCanan Hastik, Technische Universität DarmstadtFotis Jannidis, Julius-Maximilians-Universität WürzburgAndrea Joosten, Hamburger Kunsthalle – Abteilung Information & DokumentationMichael Kaiser, Max Weber StiftungUrsula von Keitz, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF / Filmmuseum PotsdamLisa Klaffki, Herzog August Bibliothek WolfenbüttelAnne Klammt, Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften (mainzed)Paul Klimpel, iRights.Law, BerlinHarald Klinke, LMU München, Institut für KunstgeschichteHubertus Kohle, LMU München, Institut für KunstgeschichteThomas Kollatz, Sal. L. Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-EssenIngo Kottsieper, Akademie der Wissenschaften zu Göttingen / Westfälische Wilhelms-Universität MünsterWolfgang Krauth, Landesarchiv Baden-WürttembergFrank Kreißler, Stadtarchiv Dessau-RoßlauChristoph Kudella, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek GöttingenAlexander Lasch, TU Dresden, Institut für GermanistikClaudio Leone, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek GöttingenHarald Lordick, Sal. L. Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-EssenBeata Mache, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, DARIAH-DEHanna-Lena Meiners, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek GöttingenAnna Menny, Institut für die Geschichte der deutschen Juden HamburgAnna Neovesky, Akademie der Wissenschaften und der Literatur | MainzAndreas Neuburger, Landesarchiv Baden-WürttembergHeike Neuroth, Hochschule Potsdam – University of Applied SciencesDoina Oehlmann, Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek, HannoverAïsha Othman, FID Afrikastudien, Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg, Frankfurt am MainSteffen Pielström, Julius-Maximilians-Universität WürzburgChristian Prager, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität BonnNils Reichert, Hessiches LandesarchivNanette Rißler-Pipka, Karlsruhe Institute of Technology (KIT) – Steinbuch Centre for Computing (SCC)Torsten Roeder, Universität WürzburgJan Rohden, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek GöttingenTorsten Schaßan, Herzog August Bibliothek WolfenbüttelMonika Schaupp, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv WertheimStefan Schmunk, Hochschule Darmstadt – University of Applied SciencesUlrich Schwardmann, Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung GöttingenHolger Simon, Pausanio GmbH & Co. KG, KölnSibylle Söring, Freie Universität Berlin / Universitätsbibliothek, Center für Digitale Systeme (CeDiS)Alexander Steckel, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek GöttingenAndreas Steinsieck, Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek, HannoverTimo Steyer, Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel / Herzog August Bibliothek WolfenbüttelRainer Stotzka, Karlsruhe Institute of Technology (KIT) – Steinbuch Centre for Computing (SCC)Annette Strauch, Forschungsdatenmanagement, Stiftung Universität Hildesheim (Universitätsbibliothek Hildesheim)Antje Theise, Staats- und Universitätsbibliothek HamburgChristian Thomas, Berlin-Brandenburgische Akademie der WissenschaftenMarkus Trapp, Staats- und Universitätsbibliothek HamburgThorsten Trippel, Universität Tübingen, CLARIN-DUlla Tschida, Interdisziplinärer Forschungsverbund Digital Humanities in Berlin (if|DH|b)Steven Vertovec, Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer GesellschaftenAxel Vitzthum, digiCULT-Verbund eG, KielCornelia Weber, Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in DeutschlandChristina Wolf, Landesarchiv Baden-WürttembergThorsten Wübbena, Deutsches Forum für Kunstgeschichte ParisUlrike Wuttke, Fachhochschule Potsdam / University of Applied Sciences PotsdamHendrik Ziegler, Philipps-Universität Marburg, Kunstgeschichtliches Institut