[DHd-blog] Tagungsbericht: push & pull – Digitale Geisteswissenschaften und ihr Mehrwert für uns alle

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Timo Homburg, i3mainz, Hochschule Mainz

Unter dem Titel „push & pull – Digitale Geisteswissenschaften und ihr Mehrwert für uns alle“ luden am 23. Februar 2018 das Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften (mainzed) und Studierende des interdisziplinären Studiengangs „Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften“ in den Co-working Space im Dock 39 der Mainzer Stadtwerke ein. Die Veranstaltung diente der Präsentation der Praxisprojekte der Studierenden sowie der Diskussion über die Relevanz der digitalen Geisteswissenschaften für die Industrie, den Journalismus und im Forschungsumfeld. Passend wurde hier der Veranstaltungstitel „push & pull“ gewählt, welcher aus dem Jargon der Informatik entlehnt verdeutlichen sollte, dass es herauszuarbeiten gilt, wie digitale Geisteswissenschaften und andere Disziplinen wechselseitig voneinander profitieren können.

Nach Grußworten des Vizepräsidenten, Stephan Jolie, der Universität Mainz, und Karl-Albrecht Klinge, Hochschule Mainz, sowie einleitenden Worten des Studiengangsleiters und Direktors des mainzed, Prof. Dr. Kai-Christian Bruhn, leiteten die Studierenden das selbst organisierte Veranstaltungsprogramm und begannen mit der Vorstellung der Praxisprojekte aus verschiedensten Disziplinen. Die Projekte umfassten hierbei sowohl klassische Digital Humanities Anwendungen wie digitale Editionen mit Semantic Web Bezug (Julia Dolhoff: „Eine Digitale Edition aus dem Nahen Osten“; Lea Müller-Dannhausen: „DER STURM im Semantic Web“) als auch Projekte, die auf die Bereitstellung von Texten und Fundstücken als Linked Data zielten (Timo Kissinger: „Der Weg römischer Fundmünzen in das Semantic Web“; Lisa Kolodzie: „Ontologie-Basis für Kurzbiographien“; Lars Nitzki: „Visualisierung des Augsburger Botenwesens“). Zusätzlich wurde die Disziplin der Musikinformatik durch die Präsentation „Designing Natural Sounds“ von Ilenia Eleonor Laudito repräsentiert, in der eine Programmiersprache verwendet wurde, um neue Soundeffekte zu erschaffen. Der Bereich der Computerlinguistik wurde durch Magdalena Scherl repräsentiert, die in ihrer Präsentation eine verbesserte Suche für arabische Ortsnamen über Dialektgrenzen hinweg vorstellte. Nicht zuletzt zeigte sich die Vielfältigkeit der mainzed-Kooperationen im Projekt „Kapellenberg goes AR“ von Patrick Daniel Brookshire über Augmented Reality Anwendungen in der Archäologie, in dem eine neolithische Siedlung digital nachgebildet werden soll, sowie in dem von Patrick Toschka („Transparente Objekte und Photogrammetrie – ein No-Go?“) vorgestellten Forschungsansatz zur Erfassung von transparenten Objekten durch Photogrammetrie. Die angenehme Atmosphäre in dem als Veranstaltungsort ausgesuchten Co-Working Space ermöglichte hierbei neben den Projektpräsentationen noch weitere fachspezifische Diskussionen unter den zahlreichen Anwesenden.

Im Anschluss folgte eine Podiumsdiskussion zwischen Prof. Dr. Andrea Rapp, Vizepräsidentin der TU Darmstadt, Marcel Hatam, International Brand Manager Ubisoft Blue Byte Mainz und Katharina Brunner von der Süddeutschen Zeitung unter Leitung von Lennart Linde (Universität Frankfurt a. Main). In der Diskussion wurde klar, dass korrekt aufbereitete Forschungsdaten sowohl für die Industrie als auch für den Journalismus eine wichtige Ressource sein können und heute noch nicht in einer massenkompatiblen Form zur Verfügung stehen. Gleichzeitig wurden jedoch die Unterschiede in den Anforderungen an die Daten klar. Historisch inspirierte Computerspiele zum Beispiel müssen den Aspekt der Spielbarkeit oft über die Authentizität der Darstellung setzen, stehen hierbei jedoch auch in einem Spannungsverhältnis zur Fan-Community, welche zu einem Großteil Authentizität bei der Gestaltung der Spiele erwartet. Im Journalismus stehen und fallen viele Projekte mit der Verfügbarkeit von belastbaren Daten. In diesem Sinne wurde hier von Seiten des Podiums ein Appell an die DH-Community gerichtet, einfache, von Laien zu verwendende Forschungsinfrastrukturen aufzubauen, von denen allen profitieren können.

Wie schon in den letzten Jahren zeigte das mainzed bei dieser Veranstaltung die Innovationsfähigkeit, welche aus der Synergie von digitalen Methoden und geisteswissenschaftlichen Anwendungsfeldern entstehen kann, und den Mehrwert, den sowohl die Studierenden als auch andere Beteiligte von der Einrichtung des Mainzer Zentrums für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften erhalten können. Viele der Studierendenprojekte fließen direkt in aktuelle Forschungsvorhaben ein oder werden Bestandteil von zukünftigen Publikationen sein und stimmen so positiv für die nächste Veranstaltung dieser Art im kommenden Jahr.