[DHd-blog] Bericht zum DARIAH-DE Methodenworkshop in Bamberg

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Unter dem Thema „Quantitative Vorauswahl und Validierung für ein qualitatives Arbeiten in den Geisteswissenschaften: Ein iterativer Prozess?“ fand am 19. und 20. November 2015 ein DARIAH-DE Methodenworkshop an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg statt. Ausgerichtet war die Veranstaltung primär auf fortgeschrittene Studierende und Promovierende mit Interesse an den Möglichkeiten der Unterstützung qualitativer Forschung in den Geisteswissenschaften durch informatische Methoden und Werkzeuge. Lebhafte Diskussionen zu verschiedenen Themen der Forschung – aber auch zu curricularen Überlegungen rund um das Thema Digital Humanities – entstanden auch aufgrund der bunten Mischung partizipierender Forschungsfelder und des interessierten Teilnehmerfeldes aus unterschiedlichsten wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Bereichen (Bibliothek, Rechenzentrum, Verwaltung).

Den Auftakt des Workshops übernahm Prof. Dr. Andreas Henrich (Medieninformatik, Universität Bamberg) mit einem Überblick über das Unterstützungspotenzial der DARIAH-DE Infrastruktur für das qualitativ-geisteswissenschaftliche Arbeiten. Einen direkten Forschungsbezug konnte Dr. Sarah Panter (Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz) mit einer Betrachtung digitaler Impulse auf die Untersuchung transnationaler Biographien herstellen. Anna Aurast (Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz) verdeutlichte dann die Problematik der für die Anwendung in technischen Systemen notwendigen Formalisierung von Lebensstufen (Kindheit, Jugend etc.) – einem Knotenpunkt, an dem sich zwei verschiedene und oft konträre wissenschaftliche Richtungen und Fragestellungen kreuzen. Es folgte eine Vorstellung der Föderationsarchitektur von DARIAH-DE durch Tobias Gradl (Medieninformatik, Universität Bamberg). Mit Hilfe generischer Infrastrukturwerkzeuge wird hier eine forschungs- und fallorientierte Unterstützung der Datenintegration erreicht, wodurch die Arbeit mit unterschiedlichen Quellen erleichtert werden soll. Prof. Dr. Thomas Saalfeld und Lucas Geese (Vergleichende Politikwissenschaft, Universität Bamberg) erläuterten anschließend, wie auf der Basis einer Anwendung quantitativer Verfahren der Sprachverarbeitung und des Topic Modeling politische Indizien erkannt und als Impulse für eine anschließende qualitative Auseinandersetzung verwertet werden können. Die lebhafte Abenddiskussion zum Thema „Wieviel DH brauchen wir im Studium und in der Doktoranden-Ausbildung?“ motivierte Prof. Dr. Andreas Henrich unter anderem auf Basis des in der DARIAH-DE Arbeitsgruppe “Curriculare Entwicklungen“ erarbeiteten Referenzmodells.

Den zweiten Tag des Workshops eröffnete Prof. Dr. Manfred Krug (Engl. Sprachwissenschaft einschl. Sprachgeschichte, Universität Bamberg) mit einem Einblick in die Unterstützung quantitativer Verfahren in der englischen Sprachwissenschaft, die von einfachen arithmetischen zu komplexen statistischen Verfahren reichen und auf unterschiedlichen Ebenen der sprachwissenschaftlichen Beschreibung Anwendung finden. Mit den Projekten MUSICI und MusMig zeigte Dr. Berthold Over (Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft, Universität Mainz) weitere konkrete Anwendungsfälle, bei denen Methoden und Werkzeuge der Informatik – im konkreten Fall das an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) entwickelte Personendatenrepositorium – als Hilfsmittel bei der Speicherung und Analyse dienen können. In sprachtechnologische Grundlagen führte Dr. Michael Piotrowski (Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz) die Teilnehmer des Workshops ein und erklärte anhand plakativer Beispiele unterschiedliche Ebenen des Natural Language Processings (NLP), deren Nutzen aber auch Grenzen insbesondere bei der Betrachtung historischer Texte. Mit dem Thema des Opinion Minings – also der Erkennung von Stimmungsbildern in Texten – schloss Dirk Reinel (Institut für Informationssysteme, Hochschule Hof) das thematische Programm des Workshops ab.

Der Workshop war mit ca. 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut besucht. Dabei wurden neben den Vorträgen und Diskussionen auch die Pausen zum intensiven Austausch genutzt. Viele Teilnehmer äußerten den Wunsch, derartige Veranstaltungen öfter durchzuführen. Einen Rahmen dazu kann auch das an der Universität Bamberg neu gegründete Zentrum für innovative Anwendungen der Informatik bieten. An der Stelle wurde deutlich, wie Infrastrukturprojekte und lokale Aktivitäten ineinander greifen können.

Alle Informationen zum Programm und den Referenten, sowie deren Präsentationen finden Sie unter: http://www.uni-bamberg.de/minf/forschung/dariah-de/workshop2015/