[DHd-blog] Nachlese DHd 2014: Forschungsfragen und -methoden

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Die Auftakt-Session der DARIAH-DE Pre-Conference widmete sich Forschungsfragen- und Methoden (digitaler) Geisteswissenschaften. Christof Schöch (Uni Würzburg) und Dirk Wintergrün (MPIWG) gaben darin einen Überblick über das Methodenfeld unter Einbeziehung von veranschaulichenden Use Cases und stellten Überlegungen zu Grundfunktionen digitaler Forschungsumgebungen an.

Einen roten Faden dieser Methoden-Sitzung bildete der Umgang mit der Heterogenität der Geisteswissenschaften – repräsentiert durch ein interdisziplinär aufgestelltes Fachpublikum mit unterschiedlichen Forschungsinteressen – und ihrer Auswirkung auf Tools sowie das Erzielen möglicher Synergie-Effekte. Die Interaktion von GeisteswissenschaftlerInnen untereinander und mit/tels Anwendungen sind Ziele, die es durch eine tragende Forschungsinfrastruktur bestmöglich zu unterstützen gilt.

So wurden Möglichkeiten zum Auffinden methodischer Gemeinsamkeiten über Disziplinen- und Projektgrenzen hinweg ebenso diskutiert wie der Transfer geisteswissenschaftlicher Methoden in eine technische Umsetzung. Schließlich wurde die Rolle von Forschungsinfrastrukturen und ihre Anforderungen anhand der Themenfelder ‚Annotation‘ und ‚Big Data‘ (in DARIAH II vertreten durch entsprechend thematisch ausgerichtete Cluster) perspektivisch aufgezeigt.

Eine Herausforderung an Tools und Dienste, die beim Beantworten geisteswissenschaftlicher Fragestellungen helfen oder weitere Forschungsfelder eröffnen, liegt darin, so generisch ausgerichtet zu sein, dass sie für verschiedene Kontexte Relevant haben. Aus einer generischen Basisinfrastruktur heraus müssen jedoch problemorientierte, spezifische Fragestellungen adressiert werden können. Anhand von zwei Beispielen, der Taxonomy of Digital Research Activities in the Humanities (TaDiRAH) und des DARIAH-DE GeoBrowsers lässt sich dieses Verfahren veranschaulichen:

Bei TaDiRAH handelt es sich um ein von der Community mitgestaltetes Taxonomie-Projekt von DARIAH-DE, DiRT und DHCommons, das anwendungsorientiert ist, indem es ausgehend von generisch angelegten Forschungszielen und –methoden die Möglichkeit bietet, Objekte und Techniken maßgeschneidert für den konkreten Anwendungsfall zu kombinieren und einen strukturierten Zugang zu den Daten zu eröffnen. Auf diese Art ist die Verwendung der Taxonomie in verschiedenen Bereichen von der Auszeichnung von Tool-Verzeichnissen (DiRT) über die Anreicherung bibliografischer Angaben (DARIAHs Doing DH Bibliography) möglich. Gleichzeitig kann TaDiRAH zur Reflexion über die digitale Forschungspraxis im Allgemeinen herangezogen werden.

Der in DARIAH-DE entwickelte GeoBrowser ermöglicht die Visualisierung einer zeitlich/geografischen Verteilung und bildet somit ein Paradebeispiel vielseitiger Einsatzmöglichkeiten, die von der Analyse von Raum-Zeit-Relationen bis hin zur Visualisierung entsprechender Daten und deren Anreicherung mit existierenden Ressourcen reicht.

Mit Digivoy liegt zudem ein Beispiel vor, das zeigt, wie ein etabliertes Tool – in diesem Fall die von Stéfan Sinclair und Geoffrey Rockwell entwickelten Textanalysewerkzeuge, Voyant Tools, zur Analyse eines bestehenden Angebotes (das TextGridRep) integriert werden kann.

Ein abschließender Blick auf die Themenfelder Big Data und Annotation veranschaulicht zum einen die unterschiedliche disziplinäre Auffassung der Begriffe und zeigt zum anderen das Potential digitaler Verfahren für die Geisteswissenschaften.

Das geisteswissenschaftliche ‚Big Data‘ definiert sich dabei nicht über Terabyte-Einheiten. Vielmehr sind es heterogene Faktoren wie Strukturiertheit der Daten und der Grad ihrer semantischen Erschließung, die geisteswissenschaftliche Daten zu komplexen Big Data werden lassen. Hinzu kommt, dass der riesige Pool geisteswissenschaftlicher Daten („Die meisten Daten, die da draußen rumlungern sind geisteswissenschaftlicher Art!“) nicht nur heterogenes Material umfasst sondern es sich dabei auch um verteilte Daten handelt. Mittels quantitativer Verfahren ist es nun erstmals möglich, diese Daten analysieren zu können. Entscheidendes Kriterium ist dabei die Skalierbarkeit digitaler Methoden, die gleichzeitig den Mehrwert gegenüber (rein) händischen Verfahren ausmacht.

Am Annotationsbegriff zeigen sich Heterogenität und Homogenität der (digitalen) Geisteswissenschaften gleichermaßen. Das Annotieren ist eine disziplinübergreifend etablierte Praxis. Dabei reicht das Spektrum des Begriffs vom Anfügen von Notizen bis hin zu einer vollständigen Tiefenerschließung. Hinzu kommt die Anwendbarkeit auf eine Vielfalt von Daten, z.B. Bildannotationen, Fußnoten im erweiterten Sinn oder Verknüpfungen zwischen Quellen etc.

Das Beispiel der Annotation verdeutlicht den Bedarf weiterer Annäherungen. Diese zu leisten und die wesentliche, aber keineswegs triviale Verbindung zwischen Daten und Tools herzustellen, fordert einerseits digital arbeitende GeisteswissenschaftlerInnen und erfordert andererseits eine Infrastruktur notwendig, die sie dabei unterstützt, indem sie ihre Vernetzung befördert und Schnittstellen über Standards bereitstellt.

 

Referenzen:

DHd 2014. Digital Humanities – methodischer Brückenschlag oder ‚feindliche Übernahme‘? Chancen und Risiken der Begegnung zwischen Geisteswissenschaften und Informatik, 1. Jahrestagung der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum, 25.-28. März 2014, Universität Passau, http://www.dhd2014.uni-passau.de/

Digivoy: Schöch, Christof. Digivoy. TextGrids Digitale Bibliothek mit Voyant entdecken. https://de.dariah.eu/digivoy

GeoBrowser: http://geobrowser.de.dariah.eu/

TaDiRAH: Taxonomy of Digital Research Activities in the Humanities. V. 0.5, Februar 2014. https://github.com/dhtaxonomy/TaDiRAH

Voyant: Sinclair, Stéfan; Rockwell, Geoffrey. Voyant Tools. Privacy v. 1.0 beta. 2014. via http://voyant-tools.org